26.April 2011: 25 Jahre Tschernobyl Drucken
Projekte
Montag, den 31. Mai 2010 um 09:40 Uhr

 

Friedensfahrt durch Europa:

Die Fahrt gliedert sich in drei Phasen:

1. Minsk Garten der Hoffnung: Die Friedensfahrt startet und endet in Minsk im „Garten der Hoffnung“, ebenda finden am Jahrestag Mahnwachen und Kerzenaktionen statt. In Minsk sammeln sich belarussische Teilnehmerinnen und Teilnehmer sowie Initiativen, die sich in Minsk aufhalten. Es wäre gut, wenn schon in Minsk internationale Teilnehmer zusteigen könnten. Die Stiftung „Den Kindern von Tschernobyl“ ist für Organisation und Gestaltung verantwortlich. Sie stimmt den Zeitraum der Reise ab. Wenn möglich, sollte eine Kulturgruppe mitreisen.
2. Zwischenstationen: Es fährt der Bus der Stiftung. Unterwegs kann zugestiegen werden, in Polen, Deutschland, Benelux, Schweiz u.a.. Sollte sich bei der Voranmeldung herausstellen, daß die Plätze nicht ausreichen, müsste ein Bus zusätzlich fahren.
Halt gemacht wird bei einladenden Initiativen. Sie sind verantwortlich für Unterbringung – in Familien, in Jugendherbergen und besonderen Häusern -, und für ein Programm - evtl. mit den Gästen (wo auch um Spenden gebeten werden kann), z.B.:
Gedenken – Gottesdienste, Mahnwachen, Kranzniederlegungen, Denkmalenthüllungen usw
Berichte von „Zeitzeugen“ – dazu zählen nicht nur Gäste aus Belarus, sondern auch Menschen vor Ort selbst, Eltern, Lehrer, Kindergärtnerinnen, Ärzte, Verantwortliche in Behörden damals, wie sie den Schrecken von Tschernobyl erlebten, in Gemeinden, Schulen usw.
Lesungen von Tschernobylzeugnissen und – literatur , evtl. von Autoren, vor Ort bekannten Leuten, in Kirchen, Schulen usw. in einer „Lesenacht“ zu Tschernobyl
Kulturveranstaltungen mit Gästen – Theater, Musik, Ausstellung usw.
Bes. Aktionen: Fußgängerzonentheater, Malaktion „Tschernobylkerze“, „Katastrophenübung“, Trockenmilchvorrat für Kleinkinder verteilen in kleinen Säckchen, „Pilz“suppen, „Ketten“-reaktionen usw.
Auf jeden Fall sollte Sinn und Ziel der „Friedensfahrt durch Europa“ zum 26.April 2011 deutlich werden, über Berichte, Medien usw.
Die Rückfahrt kann ähnlich aussehen wie die Hinfahrt. .
3. Treffpunkt Genf: Ziel- und Treffpunkt ist Genf, mit Teilnahme an der Mahnwache zum 26.April 2011 vor der WHO - auch für die, die anders anreisen (Privat - PKW, Fahrrad, zu Fuß, Trecker u.a.). Unterbringung Jugendherberge in Genf oder Umland, Gästehäuser , privat ? us. Verantwortlich für Vorbereitung und Organisation: BAG
Schon in Minsk sollte eine internationale Gruppe mit einsteigen oder bis Minsk mitfahren

Kerzenaktionen überall
Mit dem Symbol der Tschernobyl-Kerze

Die Tschernobyl-Kerze steht im Mittelpunkt aller Kerzenaktionen. Sie erinnert und mahnt in einer stillen Weise, aber nicht zu übersehen. Alle können sich an solchen Kerzenaktionen beteiligen – an Mahnwachen, mit allen Gasteltern, zu einer bestimmten Stunde, eine Kerze ins Fenster stellen:

- für alle, die zu Opfern dieses „unsichtbaren Krieges“ wurden, an den Folgen leiden und zu tragen haben
- für die Kinder von Tschernobyl wie
- für alle Kinder, deren Leben atomar zerstört wurde und wird
- für unser Freundinnen und Freunde, Partner in Belarus
- für alle Mutigen und Engagierten, die sich dem atomaren Tode entgegenstellen und für das Leben einstehen
- für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der „Friedensfahrt“
- für eine Welt ohne atomare Bedrohung, jedes AKW ist eine potentielle Atombombe
- für einen freien Zugang zu den medizinischen Daten und Informationen und Unterlagen ohne Täuschung, Verdrängung, verordnetes Schweigen, gemäß den Statuten der WHO
- für Menschen, die sich der Verantwortung nicht entziehen
- für Brücken der humanitären Zusammenarbeit
- für ........
- für ........
- für ..........

Wo ein kirchlicher Hintergrund besteht, kann man unmittelbar an das westliche Ostern ( 24./25.4.2011) und an den Brauch der Osterkerze anschließen. Die Tschernobyl-Kerze kann auch auf großen Transparenten aufgemalt und ausgehängt werden.

Die Vollversammlung der UNO hat unter dem Eindruck von „Tschernobyl“ am 21.Dezember 1990 folgende Resolution 45/190 an die Staaten der Weltgemeinschaft beschlossen:
„Die Vollversammlung der Vereinten Nationen
- ist tief beunruhigt über die dauernde Beeinträchtigung des Lebens und der Gesundheit der Menschen durch die Tschernobylkatastrophe, die schwere nationale und internationale Folgen beispiellosen Ausmaßes hatte;
- ist besonders beunruhigt über den Gesundheitszustand von Kindern, die unter Bestrahlung gelitten haben und leiden, sowie über mögliche Spätfolgen der Bestrahlung auftreten können;
- appelliert an alle Staaten der Weltgemeinschaft, zwischenstaatliche und bürgerliche Organisationen (...) weitere nötige Hilfe und Unterstützung den am meisten verseuchten Gebieten zu leisten.“

„Den Kindern von Tschernobyl“ international Gemeinsame Erklärung von Januar 2000

„Tschernobyl“ verstehen wir als bleibende Herausforderung für Europa, die Welt, die Menschheit.
Wir wenden uns entschieden gegen alle Versuche, „Tschernobyl“ für beendet zu erklären, zu verharmlosen, zu verdrängen und vergessen zu machen.
In diesem Sinne müssen wir heute, viele Jahre nach „Tschernobyl“ immer wieder an die Folgen für die Gesundheit der Menschen erinnern. Wir erleben jedoch, wie die Informationen über „Tschernobyl“, die Gesundheit der Menschen, die radioaktive Belastung der Menschen und der Nahrungsmittel in den hoch belasteten Gebieten massiv unterdrückt, manipuliert und verharmlost werden. Die Weltgesundheitsorganisation der UNO (WHO) muss schweigen, weil es die Internationale Atomenergiebehörde (IAEO) so will.
Darum: Für eine freie WHO, für einen freien Zugang zu den Informationen.
Die Wahrheit sagen
Das Selbstverständliche tun
Brücken bauen
Partner werden
Sich vernetzen
Für Würde und Grundrechte der Menschen eintreten
Der Gewalt widerstehen

WHO

Die Verfassung der WHO beschreibt 22 Maßnahmen , die dieser Institution ermöglichen sollen, ihre medizinischen Ziele zu erreichen. Dort steht u.a., dass eine umfassende Information der Bevölkerung betreffend Gesundheitsprobleme unerlässlich ist, um eine aufgeklärte Öffentlichkeit zu bilden, um eine klare Meinungsbildung der Völker zu erreichen., z.B.
- „umfassende Aufklärungen, Ratschläge und Unterstützungen im Bereich der Gesundheit
-  Förderung einer klaren Meinungsbildung der Bevölkerung betreffend der Gesundheitsproblematik, basierend auf guter öffentlicher Information“.
-

IAEO

Das Hauptziel der IAEO ist „die Beschleunigung und Förderung der Atomindustrie für den Frieden, für die Gesundheit und für das Wohlbefinden in der ganzen Welt“. Fast nebenbei wird betont, dass die IAEO auch für die Gesundheit im Bereich der Atomindustrie zuständig ist.

Vertrag von 1959
„Das Abkommen bestimmt, dass Forschungspläne, deren Resultate potentiell die Förderung der Atomindustrie hindern könnten, nicht, oder gemeinsam gemacht werden müssen. Eine Aufklärung des Publikums könnte, in diesem Sinne, die Entwicklung der Atomindustrie beeinträchtigen.
Diese Verpflichtung zur Geheimhaltung verstößt aber frontal gegen die Statuten der WHO, die eine Aufklärung der Öffentlichkeit fordert.
Demzufolge scheint es, dass die Weltbevölkerung, betreffend Risiken der Atomindustrie im Dunkel gehalten, oder sozusagen vor der Wahrheit geschützt werden müsste. Für die mit Sicherheit zu erwartenden Atomindustrieunfälle werden Informationen und Schutzmaßnahmen für die Bevölkerung noch schlechter sein, als es nach Tschernobyl der Fall war, weil es darum geht, vorerst die Betreiber der Atomkraftwerke finanziell zu schützen.“ (Prof. Dr. M. Fernex, Frankreich).

„Der Höhepunkt der Anzahl Betroffener wird erst 2016 sichtbar. Das Erbe von Tschernobyl wird uns begleiten, uns und unsere Nachkommen über Generationen.“ Kofi Annan, ehem. Generalsekretär der UNO. Er kennt sicher die Zahlen der WHO. Wir wollen sie auch wissen.

Die Wahrheit sagen

1. Unvergessen ist das Datum des 26.April 1986. In ganz Europa nahm man mit Schrecken wahr, was in der damaligen Sowjetunion geschah: das Unvorstellbare, der GAU eines Atomkraftwerkes, ein Super-Gau gar – größer als der Größt-Anzunehmenden-Unfall. Der Schrecken hieß Tschernobyl. Angst ging um in Europa, Angst um die Kinder. Ratlosigkeit herrschte, was sollen wir tun, was dürfen wir essen, wie können wir uns schützen?
Europa hat Glück gehabt. Unmittelbar betroffen aber waren die Regionen um den Unglücksreaktor in der Ukraine, in Russland und in weiten Teilen Weißrusslands. Aber davon hörte man zunächst nichts, davon wusste man zunächst nichts. Es herrschte das große Schweigen., das Verdrängen, das Täuschen. Das Schweigen war angeordnet vom damaligen Politbüro der UdSSR. Das Schweigen wurde durchgesetzt mit allen Mitteln der Macht.
Europa aber sollte sich erinnern und die Mahnung hören.
2. Es war einzig die Bürgerbewegung, die nicht schweigen konnte und wollte. Sie machte sich auf eigene Faust kundig. Sie informierte die eigene Bevölkerung und die Weltöffentlichkeit. Sie versuchte, in Medien, mit wissenschaftlichen Kongressen, mit zivilgesellschaftlichem Engagement, Glasnost und Perestroika in das Desaster hineinzubringen. Sie organisierte erste Soforthilfe für die Kinder, für die Menschen in den schwer getroffenen Regionen. Es entstand ein weltweites Netz der Selbsthilfe und humanitären Zusammenarbeit – geprägt von internationaler Solidarität mit den mutigen Menschen, die ihr Geschick selbst in die Hand nahmen, das Schweigen durchbrachen, Licht ins Dunkel brachten.
Es ist die Bürgerbewegung, die bis heute die internationalen humanitären Programme trägt und sich in tiefer Solidarität an die Seite der betroffenen und engagierten Menschen stellt. Es ist die internationale Bürgerbewegung, die immer wieder die Wahrheit über Tschernobyl einfordert – auch und gerade heute, 25 Jahre nach dem Desaster von „Tschernobyl“. Das Erinnern bewegt sich zwischen den beiden Polen: Solidarität und Wahrheit. Wir brauchen die freien Informationen und medizinischen Daten über „Tschernobyl“. Die Daten und Fakten zur wahren Situation damals und heute müssen öffentlich und bekannt werden.
3. Nach kurzer demokratischer Öffnung in Belarus hat das Schweigen neu eingesetzt. Das Schweigen hat internationales Ausmaß. Das einst vom Politbüro der KPdSU verordnete Schweigen wird gesteuert durch die Internationale Atomenergiebehörde (IAEO). Diese untersteht unmittelbar dem UN-Sicherheitsrat, in dem die 5 führenden Atommächte das Sagen haben. Der gesamte militärisch-industrielle Atomkomplex will „Tschernobyl“ vergessen machen.
Die „atomare Lüge“ ist nicht zuletzt das Ergebnis eines Vertrages von 1959 zwischen zwei UN-Organisationen: der Internationalen Atomenergieorganisation (IAEO) und der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Die WHO darf in nuklearen Fragen nur veröffentlichen, was mit der IAEO abgestimmt ist. Es mussten schon Publikationen eingestampft und Kongresse abgesagt werden. So bestimmen schließlich Physiker und Politiker darüber, was Mediziner zu sagen haben.

Erinnern und Mahnen

Das trifft ganz besonders für „Tschernobyl“ zu. Die WHO hat ungeheuer viel an medizinischen Unterlagen, Daten und Informationen zu „Tschernobyl wie zum gesamten Nuklearkomplex. Aber Schweigen ist das Gebot. Fakten und Daten sind nicht (mehr) zu erhalten. Die IAEO sagt heute wie schon 1986 „Tschernobyl war gar nicht so schlimm“ – nur 31 Tote und – inzwischen eingeräumt – einige Fälle von Schilddrüsenkrebs bei Kindern. Man geht gar zum Gegenangriff über: Eigentlich schlimm, sei das Reden über Tschernobyl – schlimm die vielen Tschernobylinitiativen, die die Menschen verunsicherten und von ihrer Hilfe abhängig machten, das Land in Apathie und Armut stürzten.
Die „atomare Lüge“ führt damit direkt zum Kampf gegen die Zivilgesellschaft – nicht nur in Belarus. Vieles ist inzwischen schon zerstört worden. Die humanitäre Zusammenarbeit wird ständig bedroht und behindert. Um so notwendiger ist der Ruf zur Wahrheit.
4. Ein Erinnern an „Tschernobyl“ heißt deshalb zugleich, das heutige Schweigen zu durchbrechen. „Tschernobyl“ gehört nicht ins Museum, sondern ist eine bleibende Herausforderung heute und morgen: einzutreten für einen freien Zugang zu den nötigen Informationen, für eine „freie WHO“, dass der Knebelvertrag von 1959 aufgelöst, das Schweigen durchbrochen, die Wahrheit über die Folgen von Tschernobyl für Leben und Gesundheit auf den Tisch kommt, das ganze Ausmaß der Katastrophe für Menschen und Umwelt sichtbar wird. Denn die medizinischen Unterlagen und Daten werden zeigen, „Tschernobyl“ ist noch lange nicht vorbei, sondern bedroht nach wie vor die Menschen in Belarus, in Russland, in der Ukraine, bedroht Europa. Die genetischen Folgen sind noch gar nicht abzusehen. Die atomare Lüge ist wie eine Krake, die sich todbringend über die Menschheit legt, wie der Krebs, der überall zu wuchern beginnt und Metastasen bildet.
Von medizinischen Daten und Fakten hängt die gesamte Tschernobyl-Arbeit ab. Sie ist für ihre humanitären Programme auf aktuelle Informationen über Verstrahlung, über Folgen der nuklearen Kontamination und gesundheitliche Situation wesentlich angewiesen. Wer das Schweigen und die „atomare Lüge“ hinnimmt, entzieht damit Bürgerbewegung und humanitären Zusammenarbeit den Boden, überlässt vor allem die Kinder und Schwächsten dem Schicksal.
5. „Tschernobyl“ ist zugleich Symbol für den Irrweg und das Desaster des gesamte militärisch-industriellen Atomkomplexes. Das Schweigen, Täuschen, Verdrängen geschieht weltweit. Unabsehbar sind die Folgen.
6. Seit Jahren finden vor der WHO in Genf Mahnwachen für eine freie WHO statt. Immer wieder wird dort die Erinnerung an „Tschernobyl“ wach gehalten und die Wahrheit gegen die „atomare Lüge“ angemahnt – getragen von  Initiativen vor Ort und international. Sie brauchen Verstärkung, gerade auch aus Deutschland. Deutsche Initiativen fehlten bisher.
Der 26.April 2011 bietet deshalb die beste Gelegenheit, sich in Genf an den Mahnwachen zu betteiligen, ein Zeichen gegen die „atomare Lüge“ zu setzen und als Zielorientierung des Erinnerns in allen Veranstaltungen und Aktionen erkennbar zu machen. Diesem Ziel sollen „Friedensfahrt durch Europa“ und Kerzenaktion dienen.
Weitere Informationen: www.independentwho.info

Einladung zum Aktionsbündnis

Sehr geehrte Damen und Herren,
Liebe Freundinnen und Freunde,

25 Jahre „Tschernobyl“ – schon laufen die Vorbereitungen für den nächsten Jahrestag am 26.4.2011.

25 Jahre „Tschernobyl“ – das ist ein Anlaß zur Rückschau auf den Sper-GAU von damals, die Opfer und ‚Folgen von Tschernobyl“, zur Würdigung auch der Bürgerbewegung in Ost und West mit ihren vielen mutigen und engagierten Menschen - erst sie und nur sie hat das Ausmaß des Desasters von Tschernobyl öffentlich gemacht !
Aber „Tschernobyl“ ist nicht ein historisches Ereignis wie eine Naturkatastrophe damals, im Rückblick, sondern bleibende und zukünftige Herausforderung auch und gerade nach 25 Jahren, die heute und in Zukunft die Menschheit bedroht – ein Verbrechen. Und, sie kennt nicht nur Opfer, sondern fragt zugleich nach den Tätern.
Das erste Opfer ist immer die Wahrheit. Das trifft in besonderer Weise für „Tschernobyl“ zu. Von Anfang an wurde verschwiegen, gelogen, getäuscht, verharmlost. Das Schweigen, Lügen, Täuschen, Verharmlosen dauert an, ja es kehrt zurück.
Deshalb muss der 25.Jahrestag zu einem Tag der Wahrheit, zum Aufstehen gegen das Schweigen, Lügen, Täuschen, Verharmlosen werden.

Am Anfang beschloß das damalige Systems sofort, das Schweigen mit aller Macht durchzusetzen. Das Schweigen hatte das Politbüro unmittelbar nach dem Super-GAU angeordnet, wie die mutige russische Journalistin Alla Yarusinskaja recherchieren konnte. Unter Schweigen wurden 600.000 bis 800.000 „Liquidatoren“ unwissend ins Feuer geschickt, genauso wie weite Teile der Bevölkerung nicht gewarnt wurden, als der FallOut künstlich abgeregnet wurde. Diese Verbrechen dürfen an einem besonderen Tschernobyl-Jahrestag nicht „vergessen“ werden.
Das Aufstehen gegen das Schweigen muß vielmehr weitergehen - heute gegen die Macht des militärisch-industriellen Atomkomplexes weltweit. Der „Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) ist es gelungen, mit einem Vertrag von 1959 die Weltgesundheitsorganisation an sich zu binden, zu knebeln und zum Schweigen zu bringen. Die WHO verfügt über eine große Fülle von Informationen, Daten und Unterlagen zu den gesundheitlichen Folgen von atomarer Kontaminationen - von den Atombomben, Atomwaffenversuchen, Atomkraftwerken bis hin zu „Tschernobyl“. Nichts aber darf veröffentlichen werden ohne Zustimmung der IAEA. Politiker und Physiker bestimmen darüber, was Ärzte wissen und sagen dürfen. Und die IAEA tut alles, daß alles geheim bleibt. Publikationen mussten eingestampft, Kongresse abgesagt werden. Die IAEA sagt, „Tschernobyl“ war gar nicht so schlimm. Das ist das Schweigen, Lügen, Täuschen, Vermarlosen heute. Es ist, wie wir ständig erfahren, erneut eingezogen in die von Tschernobyl betroffenen Regionen und darüber hinaus.
Wir brauchen deshalb eine freie WHO, die die Wahrheit über Situation und Folgen von Tschernobyl sagen darf. Der Jahrestag muß zu einem Tag der Wahrheit werden.

Dem versuchen die „Kinder von Tschernobyl“ international nachzukommen. Sie sind ständig konfrontiert mit der konkreten Situation der Menschen vor Ort und zugleich mit dem offiziellen Schweigen. Sie brauchen die genauen Daten und Informationen zur gesundheitlichen Situation der Menschen in den kontaminierten Gebieten, vor allem der Kinder, und fordern sie ein.
So planen wir für den Jahrestag eine „Friedensfahrt durch Europa“ zum Sitz der WHO in Genf sowie eine „Kerzenaktion überall“. Näheres ist unserem Flyer zu entnehmen. Neben Genf sind uns Zwischenstationen an atomaren „Brennpunkten“ wichtig.
Unter dem Stichwort „Treffpunkt Genf“ laden wir alle Umwelt- und Friedensgruppen, engagierte und interessierte Menschen ein, am Tschernobyl-Jahrestag 26.April 2011 in Genf an der ständig dort stattfindenden Mahnwache vor der WHO teilzunehmen – mit vielen, vielen anderen aus ganz Europa: „Für eine freie WHO“.
„Tschernobyl“ ist ein Menetekel für ganz Europa – gestern und heute – und muss ein Zeichen der Menschen in Europa sein gegen jene menschenvernichtende Gewalt und für das Leben und die Achtung grundlegender Menschenrechte.

Wir erinnern an die Worte des Journalisten Robert Jungks, der schon 1977 schrieb:
„Mit der technischen Nutzbarmachung der Kernspaltung wurde der Sprung in eine ganz neue Dimension der Gewalt gewagt. Zuerst richtete sie sich nur gegen militärische Gegner. Heute gefährdet sie die eigenen Bürger...
Die Gefährlichkeit der neuen Anlagen zwingt Behörden und Industrie zu einem bisher unbekannten Grad von Absicherung. Schon jetzt wurden Grundrechte angetastet und bürgerliche Freiheiten missachtet. Doch das ist erst der Beginn. Neue Methoden der Überprüfung und Überwachung, die bereits vorbereitet wurden, warten auf ihre Anwendung. Eine neue Tyrannei müsste die fast unvermeidliche Begleiterscheinung einer Hochleistungstechnik sein, deren Risiken dem unvollkommenen Menschen über den Kopf zu wachsen beginnen.“ Robert Jungk, Der Atomstaat, Vom Fortschritt in die Unmenschlichkeit“, Kindler München 1977 (!)

Unsere Antwort zum 25.Jahrestag von Tschernobyl: Glasnost und Perestroika !
Unsere Vorhaben zum 25.Jahrestag von Tschernobyl am 26.4.2011 möchten wir bekannt machen und einladen:
- den 25.Jahrestag zum „Tag der Wahrheit“ zu machen,
- am 25.Jahrestag zum „Treffpunkt Genf“ zu kommen und an der Mahnwache vor der WHO teilzunehmen: Für eine freie WHO,
- am 25.Jahrestag sich an der oder mit einer eigenen Friedensfahrt zu beteiligen oder an atomaren Brennpunkten „Zwischenstationen“ einzurichten,
- das Symbol der Tschernobyl-Kerze aufzunehmen und entsprechende Kerzen-Aktionen vorzubereiten.
Wir würden uns sehr über Kooperationspartner freuen, mit denen wir gemeinsam weiterdenken und handeln können. Zu wünschen wäre ein breites Aktionsbündnis. Über ein Echo würden wir uns freuen.
Bitte geben Sie, gebt diese Einladung nach Ihren/Euren Möglichkeiten weiter. Danke.
Mit vielen Grüßen
Burkhard Homeyer
Weiter Informationwen: www.independentwho.info