Belarus-Perspektiven - Ferien für Kinder von Tschernobyl e.V. in Rostock Drucken
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Freitag, den 19. Dezember 2008 um 14:01 Uhr
Rostock, den 14.12.2008

Ferien für Kinder von Tschernobyl e.V. in Rostock

Grischas BildEin Junge läuft mit einem kleinen Flugzeug in der Hand über eine Blumenwiese, im Hintergrund droht eine seltsame Wolke. Der schwerstbehinderte Grischa Mosol aus Minsk malte dieses Bild 10 Jahre nach Tschernobyl für eine Ausstellung in Paris.
Grischa war als kleines Kind am 26. April 1986 zu Besuch bei seinen Großeltern, deren Dorf in der Nähe von Tschernobyl lag. Im Rückblick weiß er, dass er wie Millionen Menschen zu den Opfern von Tschernobyl gehört.
Seit 1991 setzt sich der Verein „Ferien für Kinder v. Tschernobyl“ in Rostock dafür ein, dass sich vier Wochen lang Kinder und Mütter aus verstrahlten Ortschaften Weißrusslands an unserer Ostseeküste erholen können. Dabei sind auch 10 hörgeschädigte Kinder, die von einem Hörgerätezentrum in Rostock mit neuen Hörgeräten versorgt werden.
Das weite grüne Gelände am Schullandheim „Zum Riedensee“ in Kägsdorf bei Kühlungsborn mit dem Blick über das Kornfeld zum Meer bietet fast paradiesische Möglichkeiten zu Erholung und zur Beschäftigung.
Eine vierwöchige Ruhepause von der Radioaktivität bewirkt Wunder. Sie verändert die Kinder und schenkt ihnen und ihren Familien neuen Lebensmut und Hoffnung.
In jedem Jahr stellen wir uns die Frage: Wird unsere Hilfe noch gebraucht? Doch Erzählungen und Berichte und meine persönlichen Eindrücke in den Dörfern Weißrusslands lassen unsere Fragen schnell verstummen.
 
Lehrerin Ludmila aus Gluschkowitschi:
„Unser Dorf mit 3000 Einwohnern liegt an der ukrainischen Grenze in der Nähe des Atomkraftwerks. Hier wohnen viele junge Mütter. Jede Mutter träumt von gesunden und glücklichen Kindern. Als Lehrerin erlebe ich, dass unsere Kinder schnell ermüden. Viele haben oft Kopfschmerzen. Die Zahl der Kinder mit kranken Schilddrüsen wächst. Es ist schwer, wenn ein Kind krank ist und du nicht helfen kannst. Du kannst nur zu Gott beten.“

Lehrerin Valentina aus Petschauka:
„In unserer Schule lernen 250 Schüler aus vier Dörfern. Alle Dörfer liegen auf verseuchtem Territorium. Nur 19% der Kinder sind gesund. Alle haben ein schwaches Immunsystem. Die Folgen von Tschernobyl sind unsere ständigen Begleiter. Unsere Familien sind es, die den Preis für den Einsatz der Atomenergie schon heute bezahlen. Wir sind dankbar für die Erholung an der Ostsseeküste und für die Fürsorge, die unseren Kindern entgegengebracht wird.“

In den vergangenen 18 Jahren kamen weit über 1000 Kinder und viele Mütter zu uns. Ein großer Freundes- und Spenderkreis trägt unser Projekt. Unser Verein in Rostock ist stolz darauf, dass er ein Teil der Tschernobylbewegung ist, dass wir zusammen mit der Stiftung „Den Kindern von Tschernobyl“ in Minsk und der Bundesarbeitsgemeinschaft in Münster über die Kinder Brücken der Verständigung zwischen Ost und West bauen dürfen.
So gibt es keinen Grund, die mühsam aufgebauten Brücken abzubrechen.

Wir appellieren an die Verantwortung unserer Politiker und rechnen fest damit, dass auch im Sommer 2009 unser Erholungsprogramm für 90 Personen durchgeführt werden kann.

Ursula Timm