Presseerklärung - "Tschernobyl" und die Mythen der Atomlobby Drucken
Stellungnahmen & Dokumentationen
Montag, den 21. April 2008 um 15:21 Uhr

Münster, den 9.9.05
Soeben ist der Wiener Kongress der Internationalen Atomenergieorganisation - IAEO. bzw. IAEA - am 6./7.Septermber in Wien zuende gegangen. Ziel war es, im Vorfeld des 20. Jahrestag "Tschernobyl" für beendet zu erklären. Dies sollte schon zum 10. Jahrestag geschehen. Mit einem alternativen Gegenkongress in Wien konnten jedoch Wissenschaftler aus den betroffenen Regionen, insbesondere Weißrusslands, mir ihren Arbeiten das Ausmaß der nuklearen Desasters nachweisen.
Solche "Störenfriede" brauchte man zum 20-jährigen nicht zu fürchten. Dafür sorgt das diktatorische Regime Lukaschenkos in Weißrussland, die letzte Diktatur in Europa. Er hat dafür gesorgt und sorgt dafür, dass Wissenschaftler und Unterlagen in Weißrussland verschwinden und zum Schweigen gebracht sind – selbst die bekannte Verstrahlungskarte des Landes ist nirgendwo mehr erhältlich, staatsfeindlich. Er hat dafür gesorgt und sorgt dafür, dass die letzten Reste einer unabhängigen Bürgergesellschaft und ihre Akteure vernichtet werden. Sie waren es vor allem, die darüber weltweit informierten, was "Tschernobyl" wirklich bedeutet.
Jetzt zieht wieder das Schweigen wie zu Sowjetzeiten ein, die Verharmlosung und Bagatellisierung, Feinde werden ausgemacht und müssen vernichtet werden, alles muss "normal" werden.
Das ist genau die Linie der IAEO, deren Zweck die Förderung der so genannten "friedlichen" Atomenergie ist, sich im Ergebnis von Wien und als Pressemitteilung in vielen Zeitungen niederschlägt: "Tschernobyl" war gar nicht so schlimm, man kann dort gut leben. Schlimm ist die Tschernobylbewegung – und dann zeichnet man eine entwicklungspolitische Karikatur: alle die Hilfe hat die Leute unmündig, resignativ, fatalistisch gemacht (bravo! - man hat gelernt zu argumentieren!).
Jetzt Schluss damit, weg mit den Störenfrieden, die an Menschenrecht und ihre Konkretisierung in den Kinderrechten orientiert sind, weg, so sagt es Lukaschenko, mit den Kindererholungsreisen ins Ausland, denn das weiß man nur zu gut: "Wenn die Kinder kommen, bringen sie ihre eigene Botschaft mit" (Dokumentation der Frankfurter Rundschau vom 15. April 1994) und die heißt "Tschernobyl".
Und was die vielen, vielen Gasteltern und Menschen aus aller Welt, die nach Weißrussland gekommen sind, gesehen haben, wissen und weitergeben, das sind alles "Mythen": Was Kinder, die an Tschernobylsyndromen leiden? Mythen! Was, die Hunderttausende "Liquidatoren" – heute Invaliden, wenn noch am Leben? Mythos!

Versteht sich die Atomlobby nicht bestens mit der weißrussischen Diktatur und umgekehrt. Was spricht gegen diese "feine Partnerschaft" in Arbeitsteilung? 

Wir können nur alle aufrufen, sich nicht irremachen zu lassen durch solche "Kongresse" und "Wissenschaftler", die behaupten, "Tschernobyl" sei zuende. Im April nächsten Jahres wird in Minsk ein erster großer staatlicher Tschernobylkongress stattfinden mit dem gleichen Ergebnis wie in Wien. Es steht schon fest.
Wir können nur alle aufrufen, die mutigen Menschen in Weißrussland zu stärken, die noch nicht zum Schweigen oder zur Resignation gebracht wurden. Es ist die Diktatur, die so viele in Resignation und Fatalismus getrieben hat. Darin ist Armut begründet.
Wir können nur alle aufrufen, sich der internationalen Atomrenaissance zu widersetzen, mit Aufklärung und Alternativen. Es gibt kein "friedliches" Atom – das ist der "Mythos". "Tschernobyl" ist und bleibt Symbol und Mahnmal des "unsichtbaren Krieges".

Burkhard Homeyer