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Verstrahlte Pfifferlinge im Handel entdeckt
Pfifferlinge aus Osteuropa sind manchmal strahlenbelastet.
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29.03.2009
Der Reaktor lebt und tötet weiter

London (dpa) Auch mehr als 20 Jahre nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl dezimiert die radioaktive Strahlung die Zahl der Insekten in der Region. Das hat eine Zählung bei Hummeln, Schmetterlingen, Libellen und Grashüpfern gezeigt.


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Rundbrief Feb 2003 - Europäische Solidarität PDF Drucken E-Mail
Rundbriefe & Jahresberichte
Samstag, den 01. Februar 2003 um 00:00 Uhr

Europäische Solidarität

10 Jahre Bundesarbeitsgemeinschaft "Den Kindern von Tschernobyl" in Deutschland e.V.
In diesen Monaten können wir in Deutschland auf zehn Jahre fester Zusammenarbeit mit und für die "Kinder von Tschernobyl" zurückblicken. Entstanden ist ein tragfähiges Netz verlässlicher menschlicher Beziehungen nach innen hin, in Partnerschaft zu unseren belorussischen Freunden und Freundinnen und mit internationaler Verknüpfung - gestärkt durch gemeinsame Erfahrungen in schweren Zeiten, durch unendlich viel Zuspruch und Anerkennung, beglückt und herausgefordert durch Kinder. ( ... ) Überwunden wurde der tiefe Graben, der den Westen und Osten Europas über Jahrzehnte getrennt hat, mit vielen kleinen Schritten von vielen kleinen Menschen an vielen kleinen Orten. Die Kinder waren und sind die Brückenbauer, haben Versöhnung und Entfeindung konkret werden lassen.
Die Gründung der BAG war freilich nicht der Anfang dieser an dem Leid der Kinder und den Rechten der Menschen orientierten Bürgerbewegung in Ost und West. Sie setze ein in Belarus mit dem Hauch von Glasnost und Perestroika, der Osteuropa in den 80- und 90iger Jahren durchwehte. ( ... ) Und ein zweites kommt hinzu : "Tschernobyl" - die Erfahrung von Gigagewalt, die einen ganzen Kontinent bedroht hat. Zugleich weckte sie Kräfte einer übergreifenden Solidarität mit denen, die so offensichtlich zu Opfern dieser menschengemachten Katastrophe in Europa geworden sind. Es war freilich der zweite Genozid für Belarus im letzten Jahrhundert. Getroffen wurden Regionen, die in grauenhafter Weise unter dem deutschen Vernichtungskrieg haben leiden müssen. So kommt ein drittes Moment hinzu : konkrete Versöhnung und Entfeindung in Begegnung und gemeinsamen Denken, Handeln und Wollen sind konstitutiv für eine gemeinsame Bewegung von unten - ein Europa-Modell des Friedens.
Die ersten Impulse aus dem Osten haben im Westen ihr Echo gefunden - oft sehr spontan - und haben Menschen in Bewegung gesetzt. ( ... ) Unbestechlich und ehrlich stellten und stellen sie sich der Frage nach der Verantwortung , die wir - als Gemeinschaft und jeder, jede einzelne - tragen gegenüber Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft unserer Erde. Das also kennzeichnet die Erfahrungen unseres Anfangs vor zehn Jahren. Dieser Geist prägte und prägt die "Kinder von Tschernobyl" insgesamt und verbindet sie in Ost und West - die Bundesarbeitsgemeinschaft "Den Kindern von Tschernobyl" in Deutschland und die Bürgerbewegung in Belarus, damals das Komitee der "Kinder von Tschernobyl", die spätere "Belarussische Gemeinnützige Stiftung : Den Kindern von Tschernobyl".
Schon bald stellte sich die Frage, wie sich diese beginnende Ost-West-übergreifende Bürgerbewegung in Deutschland strukturieren wird. Nach ersten spontanen Aufbrüchen sah sie sich zwei Gefahren ausgesetzt. Die eine Gefahr kam von außen. Sie bestand in Fehleinschätzungen und Unfähigkeit staatlicher Organe, auf den gesellschaftlichen Wandel angemessen zu reagieren und den Weg nach vorne und außen zu öffnen. ( ... ) Zum anderen setzten massive Repressionen bestimmter Machtorgane gegen die Stiftung ein, wie auch gegen andere, Wissenschaftler und wissenschaftliche Einrichtungen in Belarus, die sich mit den Folgen von Tschernobyl beschäftigten. ( ... )
Die Diffamierungs- und Kriminalisierungskampagne begann und beginnt stets mit öffentlich erhobenen Vorwürfen finanzieller Unregelmäßigkeit, um einen Prozess der Behauptungen, Unterstellungen, Halb-Vorwürfen und persönlicher Entwürdigung in Gang zu setzen, - ohne Anklage, Beweisführung, Rechtsbeistand - um mit der nötigen "Legitimation" versehen Menschen zum Schweigen zu bringen, auszuschalten. Dabei ist ein merkwürdiges Zusammenspiel zu beobachten. "Tschernobyl" war und ist nicht nur ein Politikum, sondern zugleich ein hochkomplexes Neuland wissenschaftlicher Forschung - gleichsam ein riesiges Freilandexperiment - und deshalb einzigartig für Profilierungen aller Art. So bestimmte von Anfang an ein erbarmungsloser Konkurrenzkampf die Szene. ( ... ) In allen belarussischen Kampagnen tauchte und taucht an irgendeiner Stelle immer wieder der Name eines deutschen Wissenschaftlers auf, der seinerseits in Deutschland als der Fachexperte auftritt und gegen andere denunzierendes Material verbreitet und entsprechende "Dossiers" anlegt . ( ... )
Damit verband sich für die Stiftung die zweite Gefahr : Sie kam und kommt von innen. Bedauerlicherweise haben sich Gruppen instrumentalisieren und in die wechselseitige Strategie einbinden lassen, um im Umkreis der deutschen Tschernobylinitiativen und Öffentlichkeit ein Klima von Misstrauen und Unsicherheit gegenüber der Stiftung in Minsk zu verbreiten und so, bewusst oder unbewusst, die benötigte "Legitimation" für "Maßnahmen " zu beschaffen. Die besten Belege dafür, dass es bei den "Dossiers" nicht um Aufklärung von Sachverhalten, sondern um Ausschalten von Personen ging und geht, sind, dass unsere Gegendarstellungen zum "Dossier" gegen die Stiftung - sie weisen bis in Einzelheiten nach, wie haltlos und bösartig die dortigen Unterstellungen sind - nicht zur Kenntnis genommen werden und allen Angeboten zum Gespräch zum Nutzen aller stets ausgewichen wird.
Doch nicht von anderen soll weiterhin die Rede sein, sondern von der übergroßen Zahl von Initiativen in Deutschland, die sich nicht haben beirren lassen, sehr früh die Zusammenhänge erkannten und sich in großer Solidarität vor ihre Freunde und Freundinnen stellten. Sie vertrauten und vertrauen ihren eigenen Erfahrungen und dem, was sie selbst sehen und gesehen haben, mehr als irgendwelchen ungeprüften Gerüchten, Verleumdungen, Diffamierungen. Sie verstehen die Schwierigkeiten der Anfangsjahre mit ihren vielen gesellschaftlichen Umbrüchen und desolaten Situationen in Belarus. ( ... ) Sie haben sich nicht in ihrem Rechtsempfinden beirren lassen, dass die "Unschuldsvermutung" zu den fundamentalen Rechtsgütern demokratischer Zivilisation, dem Rechtsstaat gehört. ( ... ) Und schließlich, sie haben Freundinnen und Freunde in der Stiftung gefunden, mit denen sich - auch in kritischer Befragung und Auseinandersetzung - in großem Vertrauen und Respekt eine gemeinsame Arbeit in Europa aufbauen lässt : Den Kindern eine Zukunft - eine Chance dem Frieden. ( ... )
So sorgte die Vernetzung in einer Bundesarbeitsgemeinschaft - mit geringsten Mitteln, aber doch effektiv genug - wirksam und erfolgreich für Informationsaustausch und -weitergabe, für Hilfestellung zu einem Beratungsprozess untereinander, offen zur Mitwirkung primär auf Arbeitsebene.( ... )
Auf dieser Ebene konnten und können wir insbesondere als Ansprechpartner der Stiftung in Minsk für den Gesamtbereich der deutschen Stiftungs-Partner-Gruppen fungieren, z.B. bei notwendigen vertraglichen Vereinbarungen und Regelungen von Gesamtinteresse, z.B. bei den Kinderreisen, Ansprechpartner aber auch im politischen Bereich und untereinander. ( ... ) Wichtiges Instrument wurde der "Tschernobyl-Rundbrief". In diesem Sinne haben wir auch die treuhänderische Kontenführung der Stiftung in Deutschland für alle Gelder deutscher Stiftungspartner übernommen. Über alle Gelder kann genauestens und durch ein Steuerberatungsbüro geprüft Auskunft gegeben werden.
Nunmehr dürfen wir also auf zehn Jahre erfolgreiche Arbeit zurückblicken: Die Stiftung - ihr zur Seite die "Internationale Assoziation für Humanitäre Zusammenarbeit" als international getragene Arbeitsstelle - und damit ein tragender Teil der ganzen Tschernobylbewegung existiert bis heute und kann ihre erfolgreiche Arbeit fortführen, ja ausweiten. ( ... ) Entstanden ist in zehn Jahren eine wunderbare belarussisch-deutsche Freundschaft von Mensch zu Mensch, Familie zu Familie, Ort zu Ort, Initiative zu Initiative, ein internationales Netz der Solidarität und humanitären Zusammenarbeit in allen Teilen Europas und darüber hinaus. ( ... )
Die Stiftung und mit ihr die Bundesarbeitsgemeinschaft erfuhren eine ihnen gebührende internationale Anerkennung. Prof. Dr. Gruschewoj wurde als Vorsitzender wiederholt zu Treffen der UNO eingeladen, ebenso ich als Vorsitzender der Bundesarbeitsgemeinschaft - anlässlich eines " Chernobyl Donor Meeting´s " zu einer Rede über die Situation der "Kinder von Tschernobyl" in der UNO in New York. Diese Ehrung habe ich als Ehrung der unermüdlichen Arbeit aller Tschernobylinitiativen verstanden. Prof. Gruschewoj wurde mit einem der höchsten norwegischen Menschenrechtspreise , dem Rafto-Preis, in Bergen für seine, für unser aller Arbeit ausgezeichnet.
Der Zuspruch zur Arbeit von Stiftung und Bundesarbeitsgemeinschaft wächst. Neue Vernetzungen finden statt, nicht zuletzt dank der unermüdlichen Arbeit von Frau Dr. Gruschewaja, der Präsidentin der Internationalen Assoziation für Humanitäre Zusammenarbeit. Minsk ist neben den Tschernobylkongressen zum Treffpunkt internationaler Jugend- und Frauenkonferenzen geworden. ( ... ) In Minsk blüht und gedeiht der "Garten der Hoffnung", einst angelegt von Freundinnen des "Ökumenischen Forums christlicher Frauen in Europa" ( ... ) In ihm wächst auch die Blume von Tschernobyl. Es wird die Aufgabe des nächsten Jahrzehnts sein, dass sie in ihrer Buntheit wieder voll und zugleich im großen europäischen Garten aufblüht. So wird "Hoffnung im Land der Hoffnungslosigkeit" aufkeimen und sich entfalten. Allen Freundinnen und Freunden Dank.

Burkhard Homeyer

( Der vollständige Text dieses Artikels steht im Rundbrief Nr. 2 vom März 2003 )

 
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