Startseite Informationen Rundbriefe & Jahresberichte Rundbrief Feb 2003 - Zukunft Europa - Zukunft für Mädchen
13 | 12 | 2017
Hauptmenü
Wichtige Hinweise

20.10.2012


Freunde der Erziehungskunst Rudolf Steiners e.V.
Kontakt Freiwilligendienste in Deutschland:

Tel.: 0721 354806-130
Fax: 0721 354806-181
E-Mail: fsj-bfd[at]freunde-waldorf.de

Internationale Freiwillige können sich für 12 Monate in einer sozialen Einrichtung in Deutschland engagieren.
Alles über die Rahmenbedingungen, Anforderungen und Leistungen hier.


21.09.2010
Verstrahlte Pfifferlinge im Handel entdeckt
Pfifferlinge aus Osteuropa sind manchmal strahlenbelastet.
Verstrahlte Pfifferlinge im Handel entdeckt
Lesen...


29.03.2009
Der Reaktor lebt und tötet weiter

London (dpa) Auch mehr als 20 Jahre nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl dezimiert die radioaktive Strahlung die Zahl der Insekten in der Region. Das hat eine Zählung bei Hummeln, Schmetterlingen, Libellen und Grashüpfern gezeigt.


17.02.2009
Lost Paradise
Ein neuer Film von Stefan Heinzel (89 Millimeter)


07.02.2009
IPPNW Presseinfo 06.02.2009
Atomlobby baut seit 20 Jahren Potemkische Dörfer


24.12.2008
Praxis der Visumsvergabe an der Deutschen Botschaft in Minsk, Belarus
Kleine Anfrage der Abgeordneten Marieluise Beck Bündnis 90/Die Grünen (Bremen)
PDF (2,4 MB)


10.04.2008
NRW-Landesversicherungen für das Ehrenamt


16.01.2007
Infos Reisen und Hilfslieferungen
Transit Polen nach Belarus.

Rundbrief Feb 2003 - Zukunft Europa - Zukunft für Mädchen PDF Drucken E-Mail
Rundbriefe & Jahresberichte
Samstag, den 01. Februar 2003 um 00:00 Uhr

Zukunft Europa - Zukunft für Mädchen

Dr. Irina Gruschewaja
( Auszüge aus einem Vortrag zum Thema "Frauenhandel" in Soest, September 2001 )

( ... ) Im Titel kommt zweimal das Wort "Zukunft" vor : "Zukunft Europa -Zukunft für Mädchen" . Sollte das bedeuten, dass es keinen Platz für Belarus, für belarussische Mädchen in der Zukunft in Europa gibt ? Aber Europa bedeutet für uns in diesem Kontext nicht nur einen geographischen Begriff, sondern auch demokratische Werte. Sollen wir alleine bleiben ? Allein mit der Tschernobyl-Katastrophe, die 2,5 Millionen von 10 Millionen der belarussischen Bevölkerung in der Verseuchung leben ließ ? Hieße es dann, dass unsere gemeinsame demokratische Freiheitsbewegung umsonst war ? Die Vision von Gorbatschow - das gemeinsame Europa-Haus - ein Mythos ? Unsere Mädchen in Europa nur Ware für den Menschenhandel ? ( ... )
Sieben Jahre des autoritären Regimes, die Atmosphäre der Angst, Unterdrückung und der doppelten Moral hinterlassen tiefe Spuren in der Entwicklung der Jugend. Die Folgen von Tschernobyl werden wieder verharmlost, die Menschen werden der Radiophobie beschuldigt, die jungen Absolventinnen der pädagogischen und medizinischen Hochschulen werden in die verseuchten Regionen geschickt, um dort zwei Jahre abzuarbeiten. Die Statistiken über die Krankheiten und Missbildungen werden wieder geheim gehalten. Die 1991 ausgesiedelten Dörfer werden wieder besiedelt. Den unsichtbaren Krieg des "friedlichen Atoms" erklärt man heute als den größten Mythos der Gegenwart. Wer trägt die ganze Schwere dieses Krieges ? Das sind unsere Frauen. ( ... ) Viele sitzen am Bett ihres Kindes in der Klinik, sie ertragen den Frust und die Gewalt der Ehemänner, sie arbeiten auf Datschen, um die Familie mit Lebensmitteln zu versorgen ( ... ) Aber immer mehr Frauen können den psychischen Druck nicht aushalten, beginnen zu trinken, vernachlässigen die Kinder, fallen aus allen sozialen Netzen heraus. Viele Jahre in der radioaktiven Belastung deformieren die Psyche. ( ... )
In den letzten drei Jahren stießen wir auf ein neues Problem. Viele Mädchen, die in den verseuchten Regionen leben, waren oft als Tschernobyl-Kinder im Ausland zur Erholung. Sie haben die Gastfreundschaft und die Offenheit der Gastgeber genossen. So begegnen sie allen Menschen aus dem Westen mit großem Vertrauen und glauben allen Versprechungen. Bei zunehmender Misere und Perspektivlosigkeit kommt bei ihnen oft der Wunsch auf, um jeden Preis ins Ausland zu kommen, weg aus ihrem verseuchten Dorf oder ihrer Stadt. ( ... )Sie wissen nicht, dass der Westen auch ein böses Gesicht haben kann, dass sie gezwungen werden können, in Klubs, Bars, Bordellen und privaten Haushalten als Prostituierte zu arbeiten.
Wie kann verhindert werden, dass Mädchen und Frauen zu Opfern werden ? Wie kann man erreichen, dass den Tätern schon im Vorfeld der Boden für ihre kriminellen Handlungen entzogen wird ? Um diese Frage beantworten zu können und den Frauen und Mädchen in ihren Krisensituationen zu helfen, initiierten wir 1999 die Beratungsstelle für Frauen und Mädchen "Malinowka" . Die Beratungsstelle leistet eine große Arbeit mit Unterstützung des Diakonischen Werkes der Evangelischen Kirche in Westfalen im Bereich der Prävention von Gewalt und Menschenhandel. Sie bietet psychologische Beratung und erweist den betroffenen Frauen Hilfe. Sie begleitet die Rückkehrerinnen und arbeitet die Strategien zur zur Sensibilisierung für Gewaltsituationen aus. ( ... )
Seit 2000 führen wir die Arbeit in dem einzigen Frauengefängnis in Belarus durch, das im verseuchten Gebiet Gomel ( der zweitgrößten Stadt des Landes ) liegt. In der Gruppe der minderjährigen Mädchen kommen die Gewalterfahrungen besonders drastisch zum Ausdruck. Es ist eine Gruppe mit einem besonders großen Risiko, nach der Entlassung Opfer des Mädchenhandels zu werden. Körperliche Schönheit, Ausgrenzung, gefährliches soziales Milieu, keine Ausbildung, keine Arbeit, so gut wie keine Resozialisierung zwingen sie, auf alle Angebote einzugehen, die ihnen ermöglichen, sich aus den Netzen loszureißen, die sie ins Gefängnis gebracht haben. Die Menschenhändler sind oft schneller als wir ...
Das ist auch einer der Gründe, warum wir unsere Arbeit auf möglichst viele Orte ausweiten wollen und das neue Projekt "Ausbildung von Multiplikatorinnen für die Arbeit gegen Gewalt und Menschenhandel" realisieren wollen. ( ... ) Solidarisches Handeln, Kommunikation, Austausch und Hilfe erzeugen Netzwerke der Frauen und ermöglichen auch uns, die hinter dem europäischen "Zaun" doch von Europa träumen, demokratische Werte zu erkennen, zu behaupten und zu leben.

( Der gesamte Text des Vortrages steht im Rundbrief 2003/ 2 und - mit Übersetzung ins Russische - in der Dokumentation "Sag Nein zur Gewalt " des Diakonischen Werkes der Evangelischen Kirche in Westfalen. Beides ist über die BAG )

 
Die BAG bei Facebook


Jetzt Freunde werden!

Seite durchsuchen
Meistgelesen
Nützliche Links
www.prof-schuchardt.de
Die Stimmen der Kinder
von Tschernobyl
Erika Schuchardt/Lev Kopelev
Eine Psychosozial-Studie

tekknorg.wordpress.com
www.life-upgrade.com
Private, nicht-kommerzielle Blog-Webseite über Atomenergie, Tschernobyl und Weißrussland (Früher und Heute). Informationen aus IPPNW Papieren und Übersetzungen aus Tschernobyl Literatur ins Englische. Fotos, Berichte und Kurzfilme.
Private and non-commercial Blog about atomic energy, Chernobyl and Belarus (past and present). Information from IPPNW papers and translations of German Chernobyl related information. Photos, reports and shortclips.
Pressemitteilungen

13.01.2012
Kinderkommission des Deutschen Bundestages begrüßt die Gründung des Deutschen Kinderschmerzzentrum
Lesen...