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Rundbriefe & Jahresberichte
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Mittwoch, den 01. Januar 1997 um 00:00 Uhr |
Im Zeichen der "Blume"Liebe Freunde und Freundinnen der Kinder von Tschernobyl
Wenn ich Ihnen den ersten Rundbrief des neuen Jahres schreibe, so hat dies einen außerordentlichen ernsten Hintergrund. Sie alle sind über die schwierige Situation in Belarus informiert. Die ökonomische Lage sieht katastrophal aus, z.Z. erleben wir einen wöchentlichen Werteverlust von 30%. Die politische Landschaft hat sich radikal verändert. Zur Analyse habe ich Ihnen den Aufsatz von Astrid Sahm mitgesandt.
Die Stiftung kämpft für die Kinder um ihr Überleben.
Zuerst will ich Ihnen von der Situation der Stiftung schreiben. Es wird bei anderen Organisationen nicht anders sein. Am 19.Oktober letzten Jahres hat die Vollversammlung aller Initiativen die mit der Stiftung zusammenarbeiten, beschlossen, Irina Gruschewaja zur neuen Vorsitzenden der Stiftung zu wählen. Damit sollte Gennadij für die anstehende Parlamentskandidatur entlastet werden und die Stiftung von politischen Verflechtungen frei sein. Gennadij wurde mit ca. 60% ins Parlament gewählt, als Parlamentarier jedoch trotz der Petition von 70.000 Unterschriften nicht anerkannt. Gennadij ist deshalb zur Stiftung zurückgekehrt und wird die Leitung erneut übernehmen. Die Schwierigkeiten nehmen zu. Die staatlichen Strukturen setzen die Politik der totalen Unterordnung aller gesellschaftlicher Einrichtungen unter die einheitliche Macht des Präsidialregimes durch. Sie führen neue Forderungen an, die in der Tat die Einstellung der Tätigkeit der vom Staat unabhängigen Organisationen bedeuten können.
Dazu gehören: - eine Neuordnung der Arbeit mit humanitären Hilfslieferungen, die für eine selbstständige, nichtbürokratische, nichtstaatliche Organisation unerfüllbar ist (Siehe S.7).
- die Aufkündigung von unentgeltlicher Überlassung von Räumlichkeiten für gemeinnützige Aktionen ( so musste schon das Projekt des " Konsultations- und Rehabilitationszentrum für Kinder" in Zusammenarbeit mit der Klinik Nr.6 in Minsk eingestellt werden).
- eine 20-fache Erhöhung der Raummiete - für das Büro der Stiftung, Lagerraum, Platz für Busse.
- in allernächster Zeit ist auch ein Beschluss des Staats möglich, der die gemeinnützigen Organisationen einem staatlichen Ministerium unterordnen wird
- negativ wirkte sich bereits die staatliche Diktatur auf die regionalen Abteilungen der Stiftung aus.
Deshalb ist es für die Stiftung unabdingbar geworden, sich auf das Überleben zu konzentrieren.
Neueste Information:
Die Stiftung hat heute (23.01.97) einen Brief aus dem Bildungsministerium erhalten. Es wird angedroht, ihr zu verbieten, Kinder ins Ausland zur Erholung zu schicken. Der Brief ist vom Stellvertretenden Minister G.D.Dyljan unterschrieben. Niemand soll das Land ohne staatliches Einverständnis und offizieller Erlaubnis verlassen können.
Bekunden Sie ihre Solidarität und erheben Sie Protest gegen die Willkür der Staatsbehörden!
Burkhard Homeyer
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