Verstrahlte Pfifferlinge im Handel entdeckt Drucken
Berichte & Reportagen
Dienstag, den 21. September 2010 um 13:59 Uhr

Seit der Katastrophe von Tschernobyl ist die radioaktive Belastung von Wildpilzen europaweit ein Problem. In den meisten Ländern ist die Belastung zwar zurückgegangen. Doch nun sind in München erneut Pilze mit unzulässig hoher Strahlenbelastung in den Handel gelangt. Das Umweltinstitut München wies bei einer Stichprobenuntersuchung von Pfifferlingen 1000 Becquerel Cäsium-137 pro Kilogramm (Bq/kg) Frischmasse nach. Der EU-Grenzwert liegt bei 600 Bq/kg. Die laut Herkunftsbezeichnung aus Rumänien stammenden Pilze waren möglicherweise falsch deklariert.

Strahlenbelastung überraschend angestiegen

Pilze aus Osteuropa, vor allem aus Litauen oder Lettland, waren laut Umweltinstitut in der Vergangenheit zum großen Teil deutlich geringer belastet als die vor unserer Haustür - sofern sie nicht gerade aus Weißrussland, Russland oder der Ukraine kamen. Umso erstaunlicher erscheint den Experten die Strahlenbelastung der nun entdeckten Pilze. „Der Anstieg der Cäsium-Belastung bei osteuropäischen Pfifferlingen in den letzten Jahren ist auffallend“, erklärt Karin Wurzbacher, Physikerin am Umweltinstitut München. "Die Vermutung liegt daher nahe, dass nun mit Tricks gearbeitet wird.“

Unbelastete und verstrahlte Pilze werden gemischt

Das Umweltinstitut München hat Hinweise darauf erhalten, dass Pfifferlinge aus verschiedenen osteuropäischen Ländern etwa nach Litauen gebracht werden, um dort verpackt und verschickt zu werden - und zwar mit der unverdächtigen Herkunftsbezeichnung "Litauen". Denselben Informationen zufolge sollen Pilze aus verstrahlten Regionen in Weißrussland mit solchen aus Gebieten mit geringer Belastung gemischt werden, damit auch extrem hoch belastete Pilze in den Handel kommen können. "Das ist eine üble Verbrauchertäuschung. Damit werden uns Pilze untergejubelt, die nicht auf die Märkte kommen dürften", kritisiert Christina Hacker, Vorstand im Umweltinstitut München. "Unsere jüngste Messung beweist erneut, dass man sich nicht einmal mehr darauf verlassen kann, dass wenigstens die Grenzwerte eingehalten werden", so Hacker.

Pfifferlinge aus Osteuropa sind manchmal strahlenbelastet.      (Foto: imago)