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Wichtige Hinweise |
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12.01.2012 Wichtige Hinweise für die Kinderkuren 2012 Die neuen und alten noch gültigen Gesetze, Verordnungen und benötigten Dokumente von Olga Daschkewitz, Mitarbeiterin der Stiftung den Kindern von Tschernobyl
14.10.2011 Spendenabzug für die Kinder von Tschernobyl nach Paragraph 10b EStG
21.09.2010 Verstrahlte Pfifferlinge im Handel entdeckt Pfifferlinge aus Osteuropa sind manchmal strahlenbelastet.
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05.07.2010
 Aufkleber mit der Blume sind wieder zu bekommen. Preis 2,00€ pro Stück incl. Porto. Erlös zu Gunsten des Projektes „Kranke Kinder“ in Belarus. Zu bestellen bei Frank Nägele
29.03.2009 Der Reaktor lebt und tötet weiter London (dpa) Auch mehr als 20 Jahre nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl dezimiert die radioaktive Strahlung die Zahl der Insekten in der Region. Das hat eine Zählung bei Hummeln, Schmetterlingen, Libellen und Grashüpfern gezeigt.
17.02.2009 Lost Paradise Ein neuer Film von Stefan Heinzel (89 Millimeter)
07.02.2009 IPPNW Presseinfo 06.02.2009 Atomlobby baut seit 20 Jahren Potemkische Dörfer
24.12.2008 Praxis der Visumsvergabe an der Deutschen Botschaft in Minsk, Belarus Kleine Anfrage der Abgeordneten Marieluise Beck Bündnis 90/Die Grünen (Bremen) PDF (2,4 MB)
10.04.2008 NRW-Landesversicherungen für das Ehrenamt
16.01.2007 Infos Reisen und Hilfslieferungen Transit Polen nach Belarus. |
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Montag, den 17. Mai 2010 um 16:23 Uhr |
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Entsprechende Anstöße kamen neben traditionellen Beziehungen zu Belarus vornehmlich aus der Friedensbewegung der 80ziger Jahre, besonders von christlichen Gruppen, die dem „Konziliaren Prozess für Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung“ nahe stehen. Im Auftrag der Arbeitsgemeinschaft „Solidarische Kirche Westfalen/Lippe“ haben - als deren Leitungskreis-Mitglieder - Hartmut Lenhard, Elisabeth Raiser und ich 1986 ein Taschenbuch herausgegeben (GTB Siebenstern 579) mit dem Titel: "Brücken der Verständigung, Für ein neues Verhältnis zur Sowjetunion". Der Titel war und ist Programm geworden.
So fand die erste Fahrt in den Anfängen des IBB’s nach Weißrussland mit der "Solidarischen Kirche" statt. Die zweite Fahrt erfolgte mit mir, damals Studentenpfarrer in Münster, und der Ev.Studentengemeinde Münster.
Es schlossen sich "Gastelternreisen" an für die, die in den vielen Tschernobylinitiativen in Deutschland „Kinder von Tschernobyl“ aufnahmen. Der Grundgedanke war, daß es nicht bei einer „humanitären“ Einbahnstraße bleiben darf, sondern ein Prozess auf Gegenseitigkeit stattfindet. Die Gasteltern konnten sich nun ihrerseits aufmachen, die Kinder besuchen, ihre Familie, ihren Wohnort usw. kennen lernen, sich mit Land, Geschichte und den Folgen von „Tschernobyl“ direkt bekannt machen bzw. auseinandersetzten. Frieden muß „unten“ ansetzen, bei den Menschen und zu gemeinsamem Lernen und Handeln führen. Versöhnende Begegnung und Bildung wachsen bottom up, nicht top down.
Schon in diesen Anfängen und an diesem Punkt gehen Wege auseinander und werden fundamentale Differenzen sichtbar. Die BAG arbeitet zukünftig nur mit der Belarussischen Gemeinnützigen Stiftung „Den Kindern von Tschernobyl“ zusammen. Die BAG ist damit Teil eines genuin belarussischen Projektes. Im Zuge von Glasnost und Perestroika formierte sich auch in Belarus eine demokratische Bewegung. Sie nahm die Herausforderungen von „Tschernobyl“ an und konstituierte sich in der „Belarussischen Gemeinnützigen Stiftung „Den Kindern von Tschernobyl“. Die Initiative geht von belarussischer Seite aus und dort fallen die Entscheidungen. Die BAG und die ihr verbundenen deutschen Initiativen haben zum Ziel, die Arbeit der Stiftung zu unterschützen, im Westen abzusichern und ihre Existenz in Belarus zu stärken.
Dieses belarussische Friedensprojekt setzt an bei den Kindern mit Kindererholungsreisen ins Ausland und anschließenden Gastelternreisen, führt zu Zukunftswerkstätten junger Leute mit Jugendzentren und Jugendaustausch, nimmt soziale Projekte angesichts der desaströsen Folgen von „Tschernobyl“ und der gesellschaftlichen Umbrüche auf. Dazu gehören Frauenprojekte, die Beratungsstelle für junge Frauen, Seniorenprojekte etc. Zivilgesellschaft hier und dort, in Belarus und in aller Welt finden zusammen zu einer demokratisch ausgerichteten Tschernobyl- bewegung. Darin eingebettet sind auch alle bilateralen Beziehungen der Tschernobylinitiativen zwischen Belarus und Deutschland, zwischen der Belarussischen Gemeinnützigen Stiftung und der Bundesarbeitsgemeinschaft „Den Kindern von Tschernobyl“ in Deutschland.
Näher mögen andere Ansätze liegen. Sie setzen auf Projekte, deutsche und in Deutschland vorzeigbare Projekte. Die Initiative geht von deutscher Seite aus. Hier wird entschieden, von hier aus erfolgt die Finanzierung. Die belarussische Seite kann helfen zu realisieren, was von deutscher Seite her gewollt, geplant, projektiert, finanziert, vermarktet wird. Das ist ein altes Thema der Entwicklungspolitik, von humanitärer und sozialer Arbeit, also auch hier in der Friedens- und Versöhnungsarbeit. Geht es um ein „von uns“ gewolltes Projekt, das natürlich hervorragend funktioniert, oder daß betroffene und engagierte Menschen als Akteure unterstützt werden, die selbst ihre eigenen Dinge in die Hand nehmen, verantworten – auch wenn das nicht immer „unseren“ Vorstellungen und deutschen Ansprüchen entspricht. Die BAG hat sich klar entschieden. Sie setzt nicht auf eigene, sondern auf belarussische Projekte und auf menschliche Beziehungen. An diesem Punkt ist es mehrfach zu schmerzlichen Zusammenstößen gekommen. Die einen sahen und sehen sich in ihrem guten Willen verletzt, die andern in ihrer Würde.
Die BAG ist Teil eines internationalen Netzwerkes von hunderten Initiativen und Organisationen vornehmlich in Europa, aber auch darüber hinaus (USA, Japan u.a. Die erste Kinderreise ging auf Einladung der Ghandi-Foundation nach Indien) – Dieses Netzwerk ist zusammengeschlossen im „Internationalen Rat Für die Kinder von Tschernobyl“ (ICCOC), mit einer gemeinsamen Arbeitsstelle parallel zur Stiftung in Minsk, der „Internationalen Assoziation für humanitäre Zusammenarbeit“ (IAhC). Sie ist zusammen mit der Stiftung Mitglied im „International Paece-Bureau“ (IPB) in Genf. (The International Peace Bureau is dedicated to the vision of a World Without War. We are a Nobel Peace Laureate (1910), and over the years 13 of our officers have been recipients of the Nobel Peace Prize. Our 300 member organisations in 70 countries, and individual members, form a global network which brings together expertise and campaigning experience in a common cause.)
Belarus selbst ist die Stiftung Koordinierungsstelle und Initiativzentrum für anfänglich etwa 70 regionale Abteilungen im ganzen Land, die durch staatliche Repressionen in den letzten Jahren erheblich reduziert wurden. Hier wurden und werden Partnerschaften zwischen belarussischen und ausländischen Initiativen sowie zu gemeinsamen „sozialen“ Projekte vermittelt und begleitet. Getragen wird das Netzwerk von ehrenamtlichen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen in Belarus wie überall – bis auf zwei, drei minimal bezahlte Angestellte in der IAhC. Manche haben über ihre ehrenamtliche Mitarbeit in der Stiftung (gezwungenermaßen) ihren Beruf verloren oder werden an ihrem Arbeits- oder Studienplatz bedroht.
Deutsche Projekte sind zu sehr erfolgreichen Unternehmen mit stimmigen Bilanzen geworden - mit hervorragend ausgestatteten Räumlichkeiten, gut dotierten professionellen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und vielfachen Angeboten. Sie sind erste Adresse für ausländische Gäste aus Politik, Wirtschaft und Kirche. Sie werden aus Kreisen der Politik, Wirtschaft, Kirchen und anderen gesellschaftlichen Organisationen in Deutschland reichlich finanziell und ideell gefördert. Begegnungs- und Bildungsarbeit geschieht vornehmlich auf institutioneller Ebene, ob anfänglich mit „Sputnik“, dem staatlichen Reisebüro, mit staatlich organisiertem Friedenskomitee, mit staatlich gelenkter Freundschaftsgesellschaft, mit staatlich initiierten und kontrollierten „NGO“’s (!), insgesamt mit staatlichen, d.h. regimetreuen Organisationen, Verwaltungen, Behörden, Ministerien. Diese sind an Westkontakten interessiert und begünstigen sie, oft mit dem Angebot bevorzugter Privilegien, aber top down nach altem sowjetischen Muster vergangener Tage und im Sinne der derzeitigen Präsidialdiktatur unter Wahrung der Machtvertikalen und mit dem Versuch, zivilgesellschaftliche Aufbrüche bottom up zu unterbinden. Oft haben sich Westbesucher und auch Initiativen darauf eingelassen um des Projektes willen oder „Hauptsache, die Kinder kommen“.
Zugleich lebt manches dt. Großprojekt auf Kosten der demokratischen Tschernobylbewegung und richtet erheblichen Schaden an. Gute Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der Stiftung werden mit gut dotierten Stellenangeboten abgeworben, als wäre die Stiftung ein Pool, aus dem man sich nur zu bedienen braucht. Die Adressensammlung der Stiftung und der BAG über alle ihre deutschen Parrtner werden gegen ausdrückliche Absprache und Zusicherung widerrechtlich angeeignet, um eben an die Adressen der dt. Initiativen zu gelangen und für sich zu nutzen. Oder es gibt immer wieder den Versuch verschiedener Initiativen, über die Stiftung an der Stiftung vorbei Partnerbeziehungen zu „privatisieren“, als sei die Stiftung eine gute und kostenlos arbeitende Vermittleragentur. Mitarbeitende der Stiftung beurteilt man nach deutschen Maßstäben ohne Rücksicht oder gar Verständnis für deren Situation. Das alles sind sehr schmerzliche Erfahrungen. Um so größer aber ist das Staunen darüber, wie viele Initiativen sich nicht beirren lassen, wie das Netz über welch langen Zeitraum und trotz allem die Tschernobylarbeit trägt.
Die BAG hat sich den Herausforderungen von „Tschernobyl“ gestellt. Da waren zunächst die Kinder. Sie waren und sind die am schwersten Getroffenen und stehen für die Zukunft des Lebens. Dafür steht das gemeinsame Symbol der Tschernobylblume. (Sie ist als Markenzeichen geschützt und darf nur von Initiativen genutzt werden, die mit Stiftung und BAG zusammenarbeiten.) Wieder ist ein Drittel Weißrusslands tödlicherr Bedrohung ausgesetzt, diesmal dem „atomaren Krieg.“ Davon hört man in Belarus viele Menschen sprechen. Sie ziehen die Parallele.
Aber diesmal kommen die Deutschen als Freundinnen und Freunde der Kinder. Über die Kinder haben unendlich viele Begegnungen stattgefunden – von Mensch zu Mensch, Familie zu Familie, Ort zu Ort, in Belarus sowohl als auch und in Deutschland – bis in den letzten Winkel hinein. Dort kamen die Deutschen in belarussische Familien und Orte mit grauenvollen Geschichten, hier die „Russenkinder“, oft mitten hinein in ein soziales Klima der Russenphobie und Ressentiments gegenüber dem Osten. Und dann berichten Gasteltern, daß sie die ganze Nacht mit ihren belarussischen Gastgebern oder Gästen zusammen gesessen und sich ihre Geschichten erzählt haben. Am Schluß hätten alle geweint und gefragt, weshalb das sein musste. Hier geschieht Frieden und Versöhnung an den Wurzeln.
Bedenkt man, daß über die Stiftung und die freie Tschernobylbewegung inzwischen fast 200.000 Kindererholungsreisen haben stattfinden können, und bedenkt man, wie viele Menschen jeweils an Vorbereitung und Programmen in irgendeiner Weise tangiert waren und sind – Verwandte, Bekannte, Kirchengemeinden, Ruder-, Reiter- und sonstige Vereine, Ämter, Medien und Offizielle – dann kann man das Ausmaß dieser Friedens- und Versöhnungsarbeit kaum überschätzen. Zigtausende kleine Friedens- und Versöhnungsbrücken konnten auf dieser Ebene „unten“ an der Basis geschlagen werden. Diese Saat wird aufgehen. Das Leitziel hieß und heißt mit Gorbatschows Worten: das Gemeinsame Haus Europa.
„Kinder von Tschernobyl“ ist aber zugleich Synonym für eine ganze Bewegung: alle sind „Kinder von Tschernobyl“, Erben jenes Monsters mit dem Namen „Tschernobyl“. Diese Bewegung hat ihre Anfänge in den demokratischen Aufbrüchen, die mit den Stichworten „Glasnost“ und „Perestroika“ auch in Belarus stattfanden. Sie formierten sich in der „Volksfront“ mit Gewerkschaften und neuen politischen Gruppierungen, ähnlich wie in Polen. Die erste große Herausforderung an Glasnost und Perestroika aber hieß „Tschernobyl“.
Sofort nach dem Desaster 1986 wurde vom sowjetischen Politbüro und vom Staat ein totales Schweigegebot verhängt und alles unternommen, „Tschernobyl“ auszublenden sowie zivil- gesellschaftliche, demokratische Aufbrüche zu eliminieren. So kam und kommt es, daß Demokratiebewegung und Tschernobylbewegung von Anfang an und wesensmäßig zusammengehören. Es gibt nur eine demokratische Tschernobylbewegung oder sie ist keine. Und umgekehrt, jeder demokratische Aufbruch in Belarus muss sich der Aufklärung über Tschernobyl und den Folgen stellen oder es ist kein demokratischer.
Die Geschichte nach 1986 belegt dies. Von ihren Anfängen an stand und steht die demokratische Tschernobylbewegung und damit die Stiftung unter hoher staatlicher Repression. Die Menschen gingen und gehen im jährlichen „Tschernobylmarsch“ auf die Straße. Ich selbst habe vor Jahren das martialische Polizeiaufgebot gesehen und wie gewalttätig Menschen niedergeknüppelt wurden. Das neu gegründete „Tschernobylkomitee“ musste sogleich seinen Namen ändern und nannte sich nun „Fond“, übersetzt mit „Stiftung“. Neuerdings musste auch dieser Name geändert werden. Die Stiftung wurde ständig durchsucht, man versuchte, ihr finanzielle Unregelmäßigkeiten und Machenschaften zu unterstellen und so einen Grund für ihre Schließung zu finden. Persönliche Diffamierungen und Bedrohungen kamen hinzu.
Der KGB initiierte Parallelstrukturen, um Verwirrung zu schaffen und die entstehenden Westkontakte abzuschöpfen. Es entstanden neue, nun regiemgelenkte Tschernobylkomitees und Hilfsorganisationen.
In diesem Klima kam es zur Gründung der BAG. Sie wollte die Tschernobylarbeit voranbringen, die zivilgesellschaftlichen, demokratischen Gruppen unterstützen und einen Schutz im Westen aufbauen. Denn schon längst waren die Wogen der vom KGB gelenkten Inszenierungen nach Westen übergeschwappt und haben auch manche Tschernobylinitiative in Deutschland mitgenommen. Freundinnen Freunde der Stiftung, Vertreter der „Sprecherräte“ in verschiedenen Bundesländern haben sich zusammengefunden, haben klar definiert, daß sie sich als Partner der Belarussischen Gemeinnützigen Stiftung verstehen und ausdrücklich in der Satzung festgehalten, daß die BAG offen ist für alle demokratischen Bewegungen in Belarus, wohl wissend, daß von ihnen „Glasnost“ und „Perestroika“ gegenüber „Tschernobyl“ abhängen. Sie haben die Wahrheit über „Tschernobyl“ ans Tageslicht und in die Weltöffentlichkeit gebracht, die erste Hilfe für die Kinder organisiert, und einzig sie sind die Garanten für die Kinder von Tschernobyl. Die BAG wurde vor 15 Jahren im August 1994 ins Vereinsregister eingetragen.
In Belarus war es inzwischen zu zwei entscheidenden Wendungen gekommen. Belarus hatte zum einen nach Abdankung des alten sowjetischen Kaderregimes zur Demokratie mit gewähltem Parlament, Gewaltenteilung und Rechtstaatlichkeit gefunden. Im Parlament saßen nicht wenige „Tschernobyl“-Abgeordnete aus den Zonen und auch aus der Stiftung in Minsk. In dieser demokratischen Phase wurden die wichtigsten Informationen über Tschernobyl und die Folgen in Publikationen und „Tschernobylkongressen“ der Stiftung öffentlich. Es erfolgte öffentliche Aufklärung in Schulen, durch Ärzte und Kliniken. Es erschien eine Verstrahlungskarte, die das Ausmaß der Kontaminierung jedem vor Augen führte. Es konnte die Hilfe für die Schwerstbetroffenen, für Behinderte und Invaliden von Tschernobyl organisiert werden. Und als größtes Vorhaben, in der demokratischen Phase erfolgte die Umsiedlung aus den hochverstrahlten Zonen in unbelastete Gegenden des Landes. Dies war auch die Aufbruchszeit vieler zivilgesellschaftlicher Tschernobylinitiativen in Belarus und im westlichen Ausland.
Aber schon 1996 war es zu einem jähen Ende gekommen. 1996 erfolgte der Staatsstreich Lukaschenkos – 1994 gewählter Präsident, vorher Abgeordneter aus dem Gebiet Mogilow, der paradoxer Weise als Kolchosenchef selbst auch Kinder aus seinem Gebiet über die Stiftung zur Erholung ins Ausland geschickt hatte. Belarus wurde Präsidialdiktatur. Damit war die demokratische Phase beendet – und mit ihr der Indikator von Glasnost und Perestroika: „Tschernobyl“. Fortan gab und gibt es keine oder nur verdeckte Informationen mehr zu den Folgen von Tschernobyl. Die Strahlenkarte ist nirgends mehr zu finden. Das Thema Tschernobyl wurde in den Schulen gestrichen, Privilegien z.B. für die Tschernobylinvaliden wurden abgebaut, Institute, gar Kliniken geschlossen, Wissenschaftler verhaftet, wenn sie sich mit den Folgen von Tschernobyl beschäftigten. Auch mit den Erholungsreisen der Tschernobylkinder“ ins Ausland „muß nun endlich Schluß sein“ – so Lukaschenko in seiner berüchtigten Parlamentsrede vom 24.11.2004. Wie er dies meinte, haben wir in den folgenden Jahren allzu deutlich erfahren.
Zivilgesellschaftliche Organisationen wurden allesamt verboten: es gibt heute in Belarus keine NGO’s mehr – bis auf die demokratische Tschernobylbewegung. Aber auch die Stiftung ist wieder unter hohen Druck geraten. Wie hat die Stiftung bis heute überleben können? Mit großem persönlichen Risiko und – aufgrund der internationalen Solidarität ! Hier war die BAG in besonderer Weise gefragt. Mit einem Solidaritätsfonds konnten wir, können wir wenigstens materiell Hilfe leisten. Aber mindestens eben so wichtig waren und sind Solidaritätsaktionen. Mit Beratung durch das dt. Außenministerium konnten wir z.B. 1998 eine Internationale Kommission mit Vertretern aus der internationalen Friedensbewegung (Holland, Frankreich, Schweiz, Russland, Deutschland) organisieren, die in Minsk anstehende Durchsuchungen in der Stiftung genau beobachteten und Manipulationen sofort aufdecken konnte.
Dahinter steht die Erkenntnis, daß die Tschernobylbewegung nur eine Chance hat gegenüber einem gewalttätigen, rechtlosen Regime, eine durch und durch demokratische: Öffentlichkeit schaffen. Darin liegt die besondere Kraft der Tschernobylinitiativen: In ihrer großen Vielfalt und Arbeit an der Basis. Über die Kinder haben sie reichlich Zugang zur Öffentlichkeit: von den Medien aller Art bis zu den Mandatsträgern, ja bis hin in die politischen Spitzen. Sie alle kennen die „Kinder von Tschernobyl“ und lassen sich deretwillen ansprechen.
Unmittelbar nach der berüchtigten Parlamentsrede Lukaschenkos Nov. 2004 war ich z.B. zufällig in Minsk. Als ich ankam, wartete schon das Moskaustudio des ZDF auf ein Interview. Schon am Abend waren alle deutschen Initiativen durch die „heute“-Nachrichten informiert und konnten gleich beginnen, die Öffentllichkeit zu mobilisieren. Das war fantastisch und erfolgreich – so wie in den nachfolgenden Jahren auch.
Gerade erst haben wir das Drama des laufenden Jahres hinter uns mit dem ominösen Dekret 555 des Präsidenten. Hier müssen große Anerkennung und Dank ausgesprochen werden den Vielen, Vielen, die sofort nach Bekanntgabe reagierten – und auch dem dt. Auswärtigem Amt, das alle Möglichkeiten auszuschöpfen versuchte. Der von Lukaschenko geforderte zwischenstaatliche Vertrag kam nicht infrage. Das konnte das AA nicht, weil bei uns der Staat keinen Vertrag für zivilgesellschaftliche Initiativen abschließen kann und Verantwortung für sie nicht übernehmen will. Es musste also ein Mittelweg gefunden werden, der sich an das bestehende Völkerrecht anlehnt. Eben dies ist mit einer Verbalnote geschehen und musste durch eine zweite ergänzt werden, um das Dekret 555 endgültig außer Kraft setzen zu können. Das Völkerrecht läßt nicht zu, das Alter der Kinder oder Reisen zu begrenzen. Kind ist nach internationaler Definition Kind bis 18 Jahre und es darf unbegrenzt reisen. Also, gute Aussichten auf 2010 und allen nochmals herzlichen Dank. Die Öffentlichkeit ist unsere stärkste Verbündete!
Doch zurück zu „Tschernobyl“. „Uns ist Tschernobyl zu gefährlich, wir wollen unsere Bildungs- und Begegnungsarbeit nicht gefährden“, so der Wortlaut aus einem Großprojekt. Zu diesem gegenwärtigen „Krieg“ also wird geschwiegen und stimmt man in das offizielle Schweigen ein – jedenfalls in Belarus. In der Tat, sich in Belarus auf „Tschernobyl“ einzulassen, ist hoch gefährlich, wie dieser „Krieg“ allgegenwärtig ist und nicht „nur“ historisch. Das Regime hat nicht nur aus sich heraus alle zivilgesellschaftlichen Strukturen vernichtet. Es folgt genau der Linie der „Internationalen Atomernergiebehörde“ (IAEO). Diese untersteht unmittelbar dem UN-Sicherheitsrat. Dieser wird beherrscht von den ständigen Mitgliedern, den fünf großen Atom-Mächten. So haben wir es letztlich mit dem geballten militärisch-industriellern Atom-Komplex zu tun - in der Sowjetzeit „nur“ mit dem der Sowjetunion mit ihrem totalen Schweigegebot und dem Versuch, zivilgesellschaftliche Bewegungen zu unterdrücken und durch Parallelstrukturen zu unterminieren, jetzt international.
Zu nennen ist hier ein Vertrag zweier UN-Organisationen von 1959. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) verfügt über ein hohes Maß von Informationen zur gesundheitlichen Lage der Bevölkerung in den von „Tschernobyl“ hochverstrahlten Gebieten. Der ehemalige Generalsekretär der UN, Kofi Annan, der offensichtlich die Unterlagen der WHO kannte, spricht von Millionen, die so oder so Opfer von „Tschernobyl“ geworden sind, und daß das Ausmaß der Katastrophe erst in den kommenden Jahrzehnten sichtbar wird an den genetischen Folgen. Die IAEO spricht nach wie vor von „nur“ 51 Toten und konzediert inzwischen einige Fälle von Kinder-Schilddrüsenkrebs. Der Vertrag von 1959 aber knebelt die WHO. Sie darf, was nukleare Fragen betrifft, nur gemeinsam mit der IAEO tätig werden und an die Öffentlichkeit treten. Entsprechend mussten Kongresse der WHO abgesagt, Publikationen eingestampft werden. In Genf wird jetzt ständig vor der WHO demonstriert für eine freie WHO. Eigentlich müssten wir uns anschließen. Erste Kontakte sind angebahnt.
28. Da ist genau der Punkt heutigen Schweigens über „Tschernobyl“ in Belarus. Einzig die „Kinder von Tschernobyl“ erinnern - allein schon durch ihren Namen, der einer Botschaft gleichkommt - an „Tschernobyl und die Folgen“. Sie sind ein Ärgernis. Es muß Schluß sein, so Lukaschenko.
Auch eine zweite Linie gibt die IAEO vor. In ihrem Schlussbericht von 2006, 20 Jahre nach „Tschernobyl“, konstatiert sie nicht nur, „Tschernobyl war gar nicht so schlimm“, schlimm seien die zahlreichen ausländischen Tschernobylinitiativen, die die Bevölkerung mit ihrem Reden über Tschernobyl verunsicherten und von Hilfe von außen abhängig machten mit der Folge, daß die Bevölkerung untätig immer mehr verarme.
An Stelle der Kinderreisen ins Ausland soll nun „CORE“ treten. CORE ist die Abkürzung von COoperation und REhabilation. Das Programm liegt ganz auf der Linie der IAEO, wurde und wird sehr stark von Frankreich protegiert und heute wohl aus EU-Mitteln finanziert. Es setzt als Ziel die Rehabilitation der verstrahlten Gebiete, den Aufbau und die Instandsetzung einer neuen Infrastruktur, Straßen, Schulen etc., denn „Tschernobyl war gar nicht so schlimm“ Die landwirtschaftliche Nutzung kann wieder beginnen und bringt hohe Erträge. Es beginnt die Rückbesiedlung der verlassenen Zonen. Eine Initiative war ganz erstaunt, als man ihr in einem weit hinter Mogilow gelegenen Dorf nahe der heißen Zone erzählte, die neuen Schulfenster seien von der EU.
Der damalige deutsche Botschafter hatte die Stiftung und die BAG zur Eröffnung von CORE in Minsk eingeladen. Er ließ so ganz nebenbei verlaute, er habe vor allem gegenüber dem französischen Kollegen sehr für die Kinderreisen nach Deutschland gekämpft. Was er meinte, wurde später deutlich. Offensichtlich war im Programm kein Platz mehr für sie – das Relikt von „Tschernobyl“. Es soll doch um Rehabilitation gehen. Hier liegt eine Problemverschiebung vor. Das eigentliche Problem ist demnach nicht „Tschernobyl“, sondern die Armut des Landes. Eben das sagte schon die IAEO.
Diese Linie wurde schon lange gefahren. Ich selbst bekam sie z.B. mit, als ich von der UNO Nov. 1997 zu einem UN – Donor-Meeting nach New York eingeladen wurde. Offensichtlich wurde die Stiftung und die BAG so wahrgenommen, dass sie von UNO-Kreisen eingeladen wurden, die Interesse hatten, daß Tschernobyl nicht einfach vergessen wird (Kofi-Annan?). Bei diesem Meeting war ich der einzige der wirklich über „Tschernobyl“ sprach, was mich damals sehr wunderte. Alle Staatsvertreter standen mit offenen Händen da nach dem Motto, gebt uns das Geld, wir wissen schon, was wir damit machen – hier ein neues Krankenhaus, dort die Reparatur einer zerfallenden Schule etc. Armut statt „Tschernobyl“?
Schon seit 1982 ist vom Bau eines neuen Atomkraftwerkes in Belarus die Rede – im Osten der Republik, erst in der Nähe von Orscha Richtung Moskau und dann Bychow. Steht in diesem Zusammenhang auch CORE? Jetzt soll es – politische Kehrtwende? - an der Westgrenze zu Litauen gegenüber von „Ignalina“ gebaut werden. Woher aber sollen heute 1O Milliarden oder mehr für den Bau kommen und wohin geht die überschüssige Strommenge, die Belarus gar nicht selbst nutzen kann? In der Ausschreibung haben sich Russland und Frankreich beworben, Russatom erhält den Zuschlag für den Bau, EDF und Ariva (Frankreich) für die technologische Ausrüstung.
Zu diesem CORE-Programm sollten die Tschernobylinitiativen mit dem Stichwort Cooperation gewonnen werden. Die BAG lässt sich nicht nachsagen, sie wolle nicht kooperieren. Wir haben „nur“ klargestellt, daß unsere belarussischen Partner mit uns gleichberechtigt mit am Tisch sitzen müssen. Darauf war nichts mehr von Cooperation zu hören. Man wollte offensichtlich die Deutschen mit ihrem Potential, nicht aber die belarussische Zivilgesellschaft, die sehr deutlich gemacht hätte, daß Tschernobyl noch lange nicht vorbei ist.
Von den „kleinen“ dt. Initiativen hat sich kaum eine auf CORE eingelassen, dafür aber dt. Großprojekte. Als Mitglied von CORE sind sie mit dabei, wenn federführend das Regime in Belarus den Versuch unternahm und unternimmt, mit „Tschernobyl“ Schluß zu machen. Sie kooperieren mit dem Regime und dessen Versuch, die Armut zum zentralen Thema zu machen. Werden demnächst keine Tschernobylkinder mehr kommen, sondern nur noch arme „Kinder aus sozial schwachen Familien, die es wirklich nötig haben“? Es geht aber nicht um die Armut der Menschen, sondern die vom Staat verwaltete, Waisenhäuser etc. Viele staatliche Organisationen stellen sich schon darauf ein, fast täglich erhalte ich entsprechende Kooperations-Anfragen. Die belarussische Botschaft verschickt schon Listen an Initiativen. Alle Initiativen bei uns aber sind gefragt, ob sie diesen Schwenk mitmachen. Vielleicht werden dazu auch Förderprogramme aufgelegt? Die Frage wird sein:
- Armut statt Tschernbyl?
- Vom Staat vorgegebene und verwaltete Armut statt zwischenmenschliche Hilfe, wie sie bisher von Initiativen geleistet und immer wieder von Behörden behindert und verhindert wurde?
Diese neuen Organisationen entsprechen dem alten Versuch, durch Parallelstrukturen der Stiftung das Wasser abzugraben und andere Ziele zu setzen, z.B. „nur“ humanitäre. Sie nennen sich heute NGO’s, in anderen Diktaturen werden sie jedoch GONGO’s genannt: von der Regierung organisierte Nichtregierungsorganisationen (Government Organized Non Government Organisation) – ein Widerspruch in sich!
Wenn westliche Besuchsdelegationen „auch mit NGO’s gesprochen haben“ wollen, sollten sie sich nicht täuschen. Waren es wirklich NGO’s? Haben sie wirklich mit der demokratischen Bewegung etwa das Thema „Tschernobyl“ angesprochen, die Energiepolitik mit einem neuen AKW? Haben sie nach den Menschenrechten, den Medien, den Verschwundenen und Ermordeten, den verhafteten jungen Leuten, der Todesstrafe gefragt,? Wer Belarus besucht, muß wissen, wen er unterstützt ! Hat er sich z.B. schon vorher den Belarus-Bericht von Amnesty International angesehen, wo hat er sich sonst informiert?
Echte NGO’s gibt es in Belarus außer in der Tschernobylbewegung nicht mehr. Deren Chance lag bisher und liegt allein in der internationalen Solidarität von unten her. Hierfür will die BAG auch nach 15 Jahren weiterhin stehen. Ich bin überzeugt: wenn mit der Stiftung - den Strukturen und den Akteure der demokratischen Tschernobylbewegung - Schluß gemacht werden sollte, wird es überhaupt keine „Kinder von Tschernobyl“ mehr geben – und keine NGO mehr. „Tschernobyl“ ist an die Existenz der Zivilgesellschaft gebunden, wie umgekehrt Zivilgesellschaft an „Tschernobyl“. Tun wir alles die Stiftung zu stärken – um der Kinder willen:
Eine Zukunft den Kindern - Dem Frieden eine Chance.
Burkhard Homeyer |
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Nützliche Links |
www.prof-schuchardt.deDie Stimmen der Kinder von Tschernobyl Erika Schuchardt/Lev Kopelev Eine Psychosozial-Studie
tekknorg.wordpress.comwww.life-upgrade.comPrivate, nicht-kommerzielle Blog-Webseite über Atomenergie, Tschernobyl und Weißrussland (Früher und Heute). Informationen aus IPPNW Papieren und Übersetzungen aus Tschernobyl Literatur ins Englische. Fotos, Berichte und Kurzfilme. Private and non-commercial Blog about atomic energy, Chernobyl and Belarus (past and present). Information from IPPNW papers and translations of German Chernobyl related information. Photos, reports and shortclips. |
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13.01.2012 Kinderkommission des Deutschen Bundestages begrüßt die Gründung des Deutschen Kinderschmerzzentrum Lesen... |
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